Montag, 29. Februar 2016

Das Nike-Kleid

In der Burda vom Mai 2011 gab es eine Plus-Strecke mit lauter blauen Kleidern und drei davon hab ich genäht.

Wie es manchmal so ist, hatte ich bei  Nummer 133 eine Assoziationskette bis hin zu einer alten Mitschülerin, die nach der griechischen Siegesgöttin benannt war. Ich steh ja gar nicht auf griechische Mythologie, aber wer kann schon was für sich verselbstständigende Erinnerungsketten.....

Nun gut, das Kleid also. Hm, hm, hm.

Ich war bei einer Freundin für ein paar Tage zu Besuch und in ihrer Nähe gab es einen recht edlen Stoffladen. Da bin ich rein mit der Idee zu diesem Kleid im Kopf und wollte eigentlich gewaschene Seide oder ähnliches.
Hatten sie nicht und ich bin mit leicht gestretchtem Satin -nicht Seide, Baumwolle, denk ich-, raus. Ich kam mir irgendwie übers Ohr gehauen vor, obwohl ich freiwillig gekauft hatte und nicht mit dem Messer bedroht worden war.
Ich mag ja Glanz oder ähnliche Festlichkeiten nur in kleinsten Dosen, ein ganzes Kleid in Satin (und noch dazu in Plusgrösse, wo Satin jede Fettrolle vervierfacht....) ist mir eigentlich viel zu viel des Guten.

Also hab ich den Stoff mit der schimmernden Seite nach innen verarbeitet und auch noch relativ viel Fehler reingeschneidert. Es gibt leider nur ein schlechtes Bild, ich habe ein Foto abfotografiert, weil ich selbst keine Tragebilder gemacht hatte.



Nach fünf Sekunden tragen pillte überall der Stoff. Schöner Mist. Ich habs erstmal ein Jahr lang im Schrank ganz hinten versteckt, denn zum Aussortieren war mir der Stoff  zu teuer.

Vor ein paar Wochen hab ich es hervorgekramt und einfach gewendet. In ein Glitzerglamourkleid geändert:



Ich finde es schrecklich. Dabei mag ich das Tragegefühl, finde die Farbe super und mag immer noch die Art von Schnitt, z.B. für den Sommer, schnell über den Badeanzug. Aber das Geglänze kann ich beim besten Willen nicht ignorieren. Dazu kommen die Nähfehler wie  der schiefe Ausschnitt, der so nach links rüber zieht statt mittig zu sitzen. Wobei ich die Fehler im Gegensatz zum Satin ignorieren könnte....

Was mich auch noch stört ist, dass die Brustpartie durch das Abnehmen jetzt so sehr zuviel Stoff hat.
Der Schnitt ist natürlich schon gerafft da oben, aber einen Plus-Busen hatte ich auch als Plus-Grösse nie und das Gewicht ging auch als erstes Obenrum weg. Das sieht man hier schon recht deutlich.





Mich reut es einfach, das Kleid wegzuschmeissen. 
Ich habe allerdings eine Idee, wie ich das Gefunkel entflimmern kann und ein bisschen rustikalisiere.
Wenn es funktioniert,  zeige ich das am Mittwoch.



Samstag, 27. Februar 2016

SSKA Finale

Geschafft. Ich habe eine neues Alljahres Stricktuch und kann nicht mehr aufhören.

Ja ganz genau so. Dem ist ausser Bildern nichts hinzuzufügen.

Erst noch ein Spann-Foto:




Etwas klein geraten, aber ich hatte im Vorfeld die Grössenangaben total ignoriert, gescheit, wie ich immer bin. Naja, hab ich halt ein TüchLEIN und einen guten Plan für die nächsten Strickwerke.







Getragen hab ich es schon, aber da ich noch nicht allzulange weiss, dass ich Stricktücher brauche, habe ich noch nicht so richtig die passende Garderobe dafür. Ich habs halt als Schal getragen.




Man strickt oder näht sich mit neuen Werken wohl immer auch gleich die Entschuldigung mit, noch mehr, mehr, mehr haben zu müssen.

Aber ich muss schon sagen: Ich bin sehr stolz drauf, dass ich, die Grobstrickerin, sowas Filigranes zustande gebracht habe. Und es war nicht mal sehr schwierig. Das ist doch aber auch das Tolle am Selbermachen: Egal, wie alt oder wie fortgeschritten wir sind, es geht immer noch mehr.

Definitiv brauch ich noch mehr Tücher. In allen erdenklichen Farben.
Bei dieser Erkenntnis unterstützt haben mich all die anderen Finalistinnen des Summer Shawl Knit Alongs 2016. 

Donnerstag, 25. Februar 2016

Soay

Vor einem Jahr habe ich irgendwo das Strickmuster "Soay" von Gudrun Johnston entdeckt und habe mir daraufhin die Anleitung gekauft.

Gestrickt habe ich sie in Cool Wool Merino Superfine von Lana Grossa in marineblau.




Leider war das Jäckchen erst ein wenig zu eng, deshalb gibt es davon kein Tragefoto.

Aber nach ein paar Monaten hab ich es dann doch Mal getragen.


Ein bisschen unscharf leider, aber damals wusste ich ja noch nicht, dass das einmal ins Internet kommt und es gut wäre, dass auch fremde Leute was erkennen.

Wenn der Frühling wieder ganz eingekehrt ist und ich wieder kurze Jäckchen anziehen kann, mach ich mal noch bessere Bilder.

Zur Zeit stricke ich aber an einem neuen Frühlingsjäckchen. Mit dem Rückenteil bin ich heute in der Mittagspause fertig geworden.


Burda Märzheft 2016

Bei Nowak gibts die Sparte Revue de Presse, bei Constanze gibts (oder gabs?) die Sparte Loben und Lästern und mir gefällt das total gut. So gut, dass ich es nachmache.

Ich habe schon erwähnt gehabt, dass ich viele Burdahefte mein eigen nenne und sie oft und gerne durchblättere.

Meines Erachtens waren die Hefte früher besser. Mit früher meine ich die Zeit, bevor ich mein Abo gekündigt habe und nur noch vereinzelte Ausgaben gekauft habe. Die Zeit vor Dagmar Bily und bevor "burdastyle" draus wurde. Bevor die Redaktion ins Schicki-Micki-München umgezogen ist und eben aus einer Näh-und Handarbeitszeitung ein STYLEmagazin wurde.


Seitdem habe ich bei jeder Ausgabe, die ich mir hole, innerlich so eine Rezension parat, muss nur noch abgetippt werden.

Jetzt muss ich aber noch schnell relativieren: Sie werden wieder besser. Deshalb darf die Burda auch wieder öfter mit ins bekränzte Kellerarchiv.

In der aktuellen Ausgabe ist einiges drin, was ich gut finde und  nähen würde.

Die Kreativtrends sind alle drei nichts für mich. Löcher sind zum stopfen da, Kropfbänder find ich unbequem, wenn auch nicht hässlich, und die aufgenähten Bänder sind zwar ok, aber es gibt einfach noch so viel besseres auf der Ideenliste, dass die Streifen getrost überblättert werden können; die kommen wahrscheinlich in meinem Leben nicht mehr dran.

Die Kastenjacke 116A ist ok, die Farbe mag ich.



 Ich müsste mich mal trauen, lindgrün zu tragen, aber ich fürchte, ich sehe dann sehr krank aus.
 
 Bei den darauffolgenden Modellen erinnern mich die Stoffe einfach zu sehr an Pyjamas.

Easy-Shirt 103B und A-Linien-Rock 101A sehen für mich nicht wie echte Kleidung aus, sondern wie die Verkleidungen meiner Kindheit aus Tüchern und Tischdecken, die meine Cousinen, Freundinnen und ich uns mit irgendwelchen Klammern um den Körper drapiert haben.
Dasselbe bei Drapeekleid 119 und Drapeeshirt 118.

Ab Seite 26 die Strecke in Blau, da hab ich ja selten was zu kritisieren. Wenn ein Kleidungsstück blau ist, hat es schon mal über die Hälfte richtig gemacht.
Das Etuikleid 120A ist richtig gut. Farbe und Schnitt gefallen mir sehr. Obwohl ich Volants eigentlich sonst nicht mag, find ich ihn hier schön in Kombi mit den Fältchen und der Farbe.

Ebenso das Etuikleid 108A, obwohl ich vermute, der Ausschnitt nervt im richtigen Leben. Der bleibt wahrscheinlich erfahrungsgemäss nicht so U-Boot-förmig sondern rutscht über die Schultern nach oben und man hat eine Art steifen Wasserfall am Hals.



Meist finde ich die Sparte "Accesoires" hinter einer Strecke überflüssig, aber bei soviel blau seh ich mir das doch gerne an. Die Sachen sind aber auch schön, z.B. die Ballerinas aus Lack, der marineblaue Regenschirm und das Meer.
Ja, vor allem das Meer.

Beauty ist so ein Seitenfüller..... Werbung halt. Muss ich nicht lesen.

Bei den Anlasskleidern bin ich hin und her gerissen.
Ich mag nicht leicht einen Glitzer-Glimmer-Glamour-Stoff. Mir wird das schnell zu faschingshaft. Und Fasching finde ich furchtbar.

Aber der dunkle bestickte Tüll vom Tunikakleid 130 geht. Dafür geht wiederum das Kleid 136 gar nicht! Bei den oben erwähnten Verkleidungsfesten haben wir uns aus Tüchern selbst BHs und Bustiers gebunden, so kann eine erwachsene Frau doch nicht aus dem Haus gehen! Und Bustierkleid 127 ist wie alle Bustierkleider ein Modell der Marke "Ich bin 16 und hol mir heute mein Mittlere-Reife-Zeugnis ab und nach dem offiziellen Teil gehts zum Feiern bis ich umfalle".

Am Anfang der "Grossen-Gefühle"-Strecke steht was von sexy Korsagenkleider. Die Braut soll umwerfend schön sein, aber doch nicht "sexy". Überhaupt: Zuviel Sexyness in meinem Teil des Planeten.

Für die Brautmutter nochmal das Volant-Etuikleid. In creme auch so tragbar wie in blau. Zumindest das, was ich davon sehen kann.
Geübte Burdakonsumentinnen wissen, wie man sich die relevanten Infos dazuphantasiert.

Das Brautkleid 126 würd ich nähen. Nicht in brautweiss und bodenlang,  aber als Normal-Variante in Farbe wäre das schon ansehlich.

Jetzt hab ich einen Wort-Ohrwurm. Sexy. Blödes Wort.

Bei dem Divenkleid 139A find ich den Kragen reizend.



Matrosenstil ist eng verwandt mit blau, damit kriegt man mich. Ich weiss nur nicht, ob ich handwerklich gut genug bin, einen Plus-Schnitt soweit zu verkleinern, dass ich ihn tragen kann. Burda Plus-Grössen waren mir schon als Plus-Frau zu weit. Ich weiss nicht, für wen die designen. Wer hat so unendlich mächtige Oberkörper ohne ein sehr männlich geformter Mann zu sein? Das ewige Rätsel.

Die nächsten paar Kleider finde ich austauschbar. Sie leben halt vom Stoff, der mir eh nicht zusagt, weil zu glitzrig. Die puderrosa Spitzenrobe ist dagegen toll. Es gibt schon  Ausnahmen, wo mir ein Festtagsstoff gefällt, die Ausnahme ist Spitze. Aber wann trag ich schon mal ein bodenlanges Spitzenabendkleid? Ich müsste das arg umwandeln, dass es zu meinem Leben passt. Wäre zu machen, allein mir fehlt die Zeit für alles, was zu machen wäre....

Korsagenbrautkleid.....
Siehe ein paar Zeilen weiter oben.

Das Marilynkleid 135 wieder mit dieser unsäglichen Busenverpackung. Also nee....

OH! Das Brautkleid, das ich nähenswert fand in bordeauxrot! Genau so, nur ein paar cm kürzer, damit es alltagstauglich wird.
Und desselbe Schnitt nochmal in kniekurz und rosa mit einem bezaubernden Kragen als Abi-Kleid.
Also Abi ist ein paar Tage her. Vielleicht könnte ich es wagen, es auch woandershin anzuziehen.

Nach den Hochzeits-Beauty-Tipps ein Quilt. Das hab ich ja noch nie gemacht, aber es gibt einen, den ich gerne machen würde. Den nähe ich dann, wenn mein Kleiderschrank genug gefüllt ist. Da ist noch ne Weile zu tun.

Unter "Termine" finde ich einen Tipp, der für mich und meine Kinder nützlich sein könnte. Die Daueraustellung im Textlimuseum St. Gallen über Ostschweizer Textilien.

Die Rubrik wo Leserinnen ihr Werke vorstellen, mag ich total gerne. Man findet auch immer mal wieder bekannte Gesichter aus der Bloggerwelt.

In der Kinderstrecke gibt es ein paar nette Sachen, aber ich mag nicht mehr so gerne für Kinder nähen, seitdem ich meine Sachen mehr zu schätzen weiss als mein Nachwuchs. Sie ziehen es nicht so oft an und das empfinde ich als Zeitverschwendung. Ich nähe dann lieber für mich selber.

Für Hängerkleidchen bin ich immer zu haben, da gibt es auch schon ca. einemillionsiebzehn in den Schränken meiner Töchter. Immer wieder niedlich und doch nicht kitschig.

Mit einem Anzug müsste ich jetzt keinem von meinen Söhnen kommen, denk ich.
Ich persönlich finde Jungs in Anzügen cool, aber ich frage mich, ob es auf Gottes weitem Erdboden einen Jungen gibt, der das freiwillig tragen mag. Mütter stehen drauf, ja, aber die kleinen Kerle?
Ich habe es jedenfalls noch nicht gesehen, aber nur weil ich es nicht kenne, muss es das ja nicht nicht geben!

Der Rest wird relativ schnell überblättert, es gibt selten etwas, was ich abseits von Stricken und Nähen noch interessant genug finde, um hängen zu bleiben. Basteln, Holz, Schmuck, Deko u.ä. ist eher nicht meine Welt.

In der Vorschau aufs Aprilheft sind ein paar Sachen zu sehen, die einen zweiten Blick lohnen, wenn denn die Modelle online gestellt werden.
Und der Stoff des Monats ist rote Paisleyspitze. Find ich spitze!

O, was für ein unendlich geniales Wortspiel.....





Die Rechte der Bilder liegen beim burda-Verlag







Mittwoch, 24. Februar 2016

MMM #4 Ein Ausflug in den Wald

Ich hatte vorgestern von meinem nicht ganz positiven Eindruck des Ringelpulli reloaded berichtet.

Gestern hatten wir dann einen Schulausflug in den Wald und ich dachte mir, ich gebe dem Pulli eine Chance.
Also habe ich mich als wanderbegeisterte Mutti verkleidet und bin in den Wald (sogar bergauf!! Ich weiss, dass meine Eltern hier mitlesen, die wissen das zu würdigen) spaziert.

Dazu trag ich den J wie Jeansrock, den ich für die 12 Letters Of Handmade Fashion gemacht habe.
Wie im Post geschrieben, war die Idee ja sowieso, den Rock für solche Aktivitäten wie Wald, Spielplatz u.ä. zu machen.







Auf dem Weg schon Frühlingsboten:





Die anderen selbstbenähten schönen Leute findet ihr auf dem MMM-Blog.

Dienstag, 23. Februar 2016

Warum mich Fettlogiken ärgern - Gastbeitrag im Fettlogik-Blog

Diese Gedanken wurde heute bei Nadja veröffentlicht.


Nach meinem Post vom 18. Februar, in dem ich mich über Quacksalber-Bücher beschwert habe, hatte ich einen kleinen Wortwechsel mit Nadja und die Frage tat sich auf, WARUM diese Fettlogiken im Alltag eigentlich so nerven, obwohl man selbst ja schon frei davon ist und sich solche Bücher (setze ein: Artikel, Dokus, Sprüche) gar nicht antun müsste.

Ich habe mir darüber Gedanken gemacht und bin nicht wirklich auf eine allgemeingültige Antwort gekommen. Aber auf viele relativ unsortierte Gedankenfetzen. Vielleicht erkennt sich darin ja jemand wieder, aber in erster Linie ist dieser Text eine Sammlung meiner ganz persönlichen Eindrücke, Erfahrungen und Empfindungen.



Zuerst mal habe ich schon im oben erwähnten Post angedeutet, dass solche "Infos" nicht immer ernährungswissenschaftlich oder sachlich sind sondern irgendwelchen Ideologien und Zeitgeisterscheinungen folgen. Diese Unlauterkeit macht mich zornig. Was ein Mensch glaubt oder nicht glaubt, ist seine eigene Sache. Jeder ist für seine Weltanschauung und den daraus resultierenden Handlungen selbst verantwortlich.
Wenn jedoch bei Themen, die eigentlich auf Tatsachen bezogen sind, irgendwelche spirituellen Anteile eingearbeitet sind, halte ich das für nutzlos bis gefährlich.



Zum zweiten habe ich auch Mühe damit, zu akzeptieren, dass die Menschen, die gewisse Fettlogiken in die Welt bringen oder auch nur glauben, in Summe die Gesellschaft ausmachen, in der ich leben muss. Sie gestalten ganz konkret meinen Lebensraum mit. Sei es durch marktwirtschaftliche Gestzmässigkeiten, durch politische Wahlen oder durch irgendwelche anderen Verhaltensweisen, die eine Gesellschaft halt so am Laufen -oder am Scheitern- hält.
Solche Leute sind die Ärzte, Lehrer, Arbeitgeber, Kunden oder Sportvereinsleiter meiner Familie und mir.

Wenn nun ein Mensch Fettlogiken verbreitet, denen man als Laie halt glaubt, weil es sehr zeitaufwändig und schwierig wäre, die ganzen zu Grunde liegenden Studien selbst auszuwerten, dann ist das entweder sehr boshaft und verlogen, oder sehr dumm und schlampig recherchiert.
Beides nicht sonderlich symphatisch....

Wenn ein Mensch Fettlogiken glaubt, die mit zwei Minuten Nachdenken entlarvt oder zumindest in Frage gestellt werden könnten, wie z. B. der Hungerstoffwechsel -wir kennen alle die dicken, fetten Leute aus Hungersnotgebieten, die immer noch mehr zunehmen, weil sie nichts zu essen haben?-
dann ist es mit meinem Vertrauen auch nicht besonders weit her.
Ich kann nicht glauben, dass solche Leute in ihrem politischen oder beruflichen Umfeld klügere Schlüsse ziehen. Aber ich muss mit den Auswirkungen der Masse dieser falschen Schlüsse leben!

Nicht falsch verstehen: Wenn sich jemand dessen sehr bewusst ist, was er oder sie da tut, und es trotzdem weiter so ausleben möchte, mit allen Konsequenzen und offenen Auges, dann soll er/sie es tun. Wer bin ich, dass ich anderen beibringen kann, was richtig oder falsch ist.
Wenn mir eine Meinung oder Haltung nicht passt, der- oder diejenige aber voll dahinter steht, dann muss ich halt damit leben, dass nicht jeder so tickt wie ich.
Aber eine Ansammlung von Verblendungen, Halsabschneidereien und Dummheiten, die ertrag ich nur schlecht.

Gleichzeitig ist es natürlich so, dass ich selbst dick geworden bin, weil ich bestimmte Infos nicht richtig bewertet habe. Also richtet sich dieser Zorn auch ein Stück weit gegen meine eigene Denkfaulheit, meine eigene Dummheit.



Drittens ist mir aufgefallen, dass langsam aber stetig die Realität verschleiert wird. Ich hatte es sehr hurtig-schludrig formuliert in einem Kommentar zu meinem ersten Gewichtspost schon geschrieben, und Nadja selbst schrieb es in ähnlicher Form in ihrem Text "Wahrnehmung".
Es ist eine widerliche Wahrheit, dass zu allen Zeiten auf dieser Erde Leute verhungert sind, dass es immer noch vielfach vorkommt, in einer Welt, in der Nahrungsmittel für alle da wären, wäre die Weltordnung eine andere. Dass es vorkommt, dass auch in reichen Ländern  vereinzelt Menschen verhungern wegen Vernachlässigung oder Quälereien.
Wir alle kennen Fotos von KZ-Häftlingen, die nur noch aus Haut und Knochen bestehen.
Und das Thema Magersucht als ernsthafte Krankheit.

Ich finde es ziemlich schlimm, wenn sich die Sehgewohnheiten so sehr verändern, dass ein Körper, der medizinisch betrachtet gesund, fit und NORMAL, noch nicht mal DÜNN ist, mit solchen Dingen in einen Topf geschmissen wird.  Wundern tut mich das nicht, die ewigen Relativierungen in unschönen Themenbereichen sind ja Alltag. Trotzdem zynisch.



Der vierte Punkt ist ein sehr persönlicher, trotzdem glaube ich, dass es vielleicht mehreren so geht.
Seit ich selber auf mein Essverhalten achtgebe, beobachte ich auch die Leute um mich herum ganz anders.
Letzten Sommer, als ich gerade angefangen hatte, abzunehmen, war ich viel im Freibad. Mit geschärfter Wahrnehmung habe ich auf einmal entdeckt, wie viel Speckröllchen und Schwammigkeit auch bei schlanken Leuten zu sehen waren. Wie viel Kinder oder Jugendliche schon eine gewisse Moppeligkeit mir sich herumtrugen. Ich bekam am Rande Gespräche über die Figur mit, mit Fettlogiken oder Ausreden gespickt.

Als ich Kind war, habe ich manchmal, nicht jedesmal, Geld für Gummibärchen am Schwimmbadkiosk von Grosseltern oder Onkel und Tanten geschenkt bekommen.
Wenn meine Eltern Gäste hatten, hatte der Besuch meist eine kleine Süssigkeit dabei, die ich dann sofort gegessen habe, andere Kinder in meinem Umkreis ein paar Tage aufgespart haben.
In jedem Fall war es irgendeine Art von Besonderheit.

Dieser Freibadsommer dagegen war für mich wie ein Symbol für den Überfluss in dem wir heute leben. Immer wird dauernd gegessen, alles mögliche wird geschleckt und geschlabbert und diese Formulierung "immer" und "dauernd" ist kein Stilmittel, sondern nahezu unübertrieben wahr.
Dass ich selber auch so ein gefrässiger Mensch bin, hat mich so richtig angekotzt, mich hat es geekelt. Nicht vor den anderen dicken Leuten als solche, sondern als Spiegelbild meiner selbst.

Ich habe gemerkt, dass zuvieles Essen wie ein Rattenschwanz mein Leben durchschlängelt, als Ausdruck von Masslosigkeit, Disziplinlosigkeit, Unzufriedenheit, Schwermut und Egoismus. Und immer die schnelle Befriedigung. Das unkontrollierte Essen war symptomatisch dafür, dass ich nicht ein grosses Ziel über den schnellen Genuss stellen konnte.
Ach was red ich da: Genuss. Gier ist das bessere Wort. Genossen habe ich eben gerade nicht, weil Genuss auch das "Besondere" benötigt, Verzicht abwechselnd zum Genuss.
 

Fünftens kommt eine Art Mitleid hinzu. Mitleid ist schon ein zu starkes Wort, aber es ist so, dass ich mir selbst sehr befreit und selbstbestimmt vorkomme und das auch bei anderen Fettlogik-Lesern so oder so ähnlich gelesen habe. Jeder, der noch in diesen Mythen gefangen ist, der eine Opferrolle einnimmt, tut mir gewissermassen leid. Einfach, weil es so unsagbar schön ist, selbst Herr oder Frau der Lage und nicht seinen Genen, seiner Umwelt o.ä. ausgeliefert zu sein.
Ich weiss, es ist gang und gäbe, Täter jeder Art, -sei es im wörtlichen Sinne kriminelle Täter oder auch nur im Sinne einer Gesinnung, einer Handlung in Anführungszeichen gesetzte Täter- es ist also allgemein üblich, diese Verhalten irgendwie ins Passiv zu setzen.
Wenn man dann entdeckt, dass es kein Muss ist, ein ewiges Zweijähriges zu sein, das noch überwältigt wird von Emotionen und sich nach dem Lustprinzip benehmen muss, sondern dass man rechnen, einteilen und Erfolg haben kann, dann ist das einfach so supertoll (und ich bin jetzt echt sehr versucht, hier GEIL hinzuschreiben), dass ich das jedem wünsche!

Ich kann das gut stehen lassen, wenn wer sagt, dass er die Kosten für Übergewicht überschlagen hat und die Prioritäten anders setzen möchte. Es geht mir nicht um Krankenkassenkosten oder ähnliches.
Andere baden meine Fehler mit aus, ich die ihren, so ist das halt geregelt und das hat ja viel für sich.
Aber doch bitte nicht als Resultat einer gefühlten Machtlosigkeit grösseren Zusammenhängen gegenüber, die sich jeder Kontrolle entziehen.

Vielleicht liest sich das alles einen Tick zu dramatisch, aber das das Schreiben nicht mein Job ist und ich extra gesagt habe, dass dieser Text ein unsortierter Haufen persönlicher Eindrücke ist, möchte ich das so schreiben, wie ich es empfinde. Und diese Befreiung fühlt sich in der Tat so dramatisch an.

Letztendlich läuft es wahrscheinlich aber doch auf das Ergebnis hinaus, dass mir in geglaubten und gelebten Fettlogiken und in übergewichtigen Mitmenschen einfach ein Spiegel vorgehalten wird. Ich ärgere mich also oft nur über mich selber, nehme ich an.
Entweder in Form von Gedanken wie: "Aha, so bist du also auch, ist ja bescheuert!" oder: "So warst du mal und das hätte es alles gar nicht gebraucht, wenn du früher dahinter gekommen wärst, wie es auch anders gehen kann!"

Ich hoffe nun, dass mir meine Besserwisserei  nicht zum Fallstrick wird und ich von Fressattacken, die ich nicht kontrollieren kann, überfallen werde und ich demnächst wieder ein Ü90kg-Foto posten muss ;-)






J wie Jeansrock

Laura sammelt in diesem Monat die Links zur Aktion 12 Letters of Handmade Fashion.

Nachdem ich beim Januarbuchstaben W ja zu spät war, habe ich mich diesmal gesputet, vor dem 27. Februar ein "Jottmemade" zu produzieren.

Ausgangshaufen war:







Denimreste von dieser Jacke:

Stoff auf links verarbeitet



Ich habe sie für meine Schwester genäht; sie hatte mir den Stoff vom Maybachufermarkt geschickt.
Ich wollte versuchen, einen Jeansrock aus den Resten herauszupressen, aber ich musste stückeln.

Ich hatte noch einen Streifen hellblauen Baumwollstoff mit Stickerei, den ich irgendwie dazuschnippeln konnte. Diese Baumwolle war mal ein kurzer Rock, der nicht getragen wurde.
hier sieht man die Farbe recht gut

und hier die Stickerei

So ne richtige Gehört-Weg-Reste Up-Re-Wasauchimmer-Cycling-Sache eben.
Da bin ich nicht gut darin......


Irgendwie möchte ich aber eine Art Jeans haben, ein Teil, dass man auf den Spielplatz, zum Putzen oder sonstwie dreckigen Gelegenheiten anziehen kann. Und ein echter Jeanshosen-Typ bin ich schon länger nicht mehr.

Der Schnitt ist Langeness von Farbenmix

Der Rock hat die Stückelverdeckungsstreifen an drei Teilen. Die Anordnung war so nicht geplant sondern hat sich einfach so ergeben.
Ich weiss nicht, ob ich ihn so tragen werde, mit

dem Mittelstreifen vorne

und den Seitenstreifen hinten

oder andersrum:
Ich denke so ists besser.


Den Innenbeleg hab ich auch noch in hellblau gemacht und am Saum einen hellblauen Streifen wie einen herauslugenden Unterrock angenäht. Der Jeanssaum kann ausfransen, ich habe ihn offenkantig gelassen.


Mal schauen, ob und wieviel ich ihn tragen werde. Immerhin hat er sein Soll erfüllt: Es ist ein J-Teil!




Der Mann sagte, ich sehe damit aus wie in Schuluniform. Hm, ist das gut oder schlecht?

Montag, 22. Februar 2016

Ringel, Ringel, Reihe

Ich habe mich selbst inspiriert.

In meiner Vergangenheits-Schwelgerei fand ich den Ringelpulli von Freund O. so erfreulich, dass ich mir sagte, das funktioniert auch heute noch.

Sprachs, suchte ihre Drops Nepal Reste aus dem Keller und ringelte ein paar Abende lang vor dem heimischen Kino vor sich hin.

Zuerst ist mir was passiert, was ich im Nachhinein bedauere, vor dem Auftrennen nicht fotografiert zu haben.

Nämlich ein Kunstwerk.







Ich mag die Bilder von M.C. Escher seit meiner Kindheit, und jetzt, mit wachsender Weisheit und einem Paar Rundstricknadeln gelingt mir Ähnliches! Wie grossartig!



Nun....
Was
soll
ich
sagen....







Ich hätte mich auch vorher daran erinnen können, dass ich keine 16 mehr bin. (Gottseidank, by the way)

Und auch mein innerer Mensch ist nicht mehr so buntgeringelt, wie er das einst war.


Aber es ist gut, dass der Haufen Restwolle endlich weg ist. Das macht mich frei für neue Taten und mit Nepal ist nach dem Tuch, dem Mantel 1, dem Mantel 2 und der roten Miette jetzt auch mal fertig.



Das nächste Teil ist schon angestrickt:


Samstag, 20. Februar 2016

Was sich grandios anfühlt:

Beim Bügeln einen beträchtlichen Stapel MeMades zu haben.


Ich hatte heute einen Riesenhaufen Bügelwäsche.

Halt, das war gelogen: Ich habe immer noch einen mittelgrossen Bügelwäscheberg. Ich hab nur grad Pause.

Und in dem Stapel mit meinen Sachen befindet sich fast nichts gekauftes.

Das begeistert mich.

Ich habe immer Mal wieder in der Vergangenheit Leute getroffen, die sich ihre Garderobe -oder auch nur Teile davon- selbst genäht haben, und immer wollte ich das auch können. Ich habe so viel Ausschuss produziert und immer wieder aufgegeben. Und immer wieder angefangen. Ich war selten zufrieden.
Ich dachte einfach, ich kann das nicht, und um es zu können, müsste ich quasi ein anderer Mensch sein. Ich habe Jahre, nein Jahrzehnte damit zugebracht, in meiner Phantasie ganze Kleiderschranklandschaften zu erschaffen, doch es blieb so unreal.

Genauso mit dem Dicksein. Zwischen dem Zeitpunkt, wo ich erfasst hatte, wie dick ich bin und dem erfolgreichen Gewichtsverlust zog ja auch einige Zeit ins Land. Ich dachte immer Mal wieder, dass der Zug abgefahren sei, dass ich nochmal schöne Klamotten würde tragen können und damit auch gut auszusehen.

Dass sich hier und heute in meinem Wäschestapel solche:

 
Immer wieder enger genähter Rockbund.
selbstgemachten Dinge befinden,
freut mich einfach total.



 Absichtlich lasse ich den überschüssigen Stoff innen an beiden Seitennähten stehen, um den Fortschritt zu sehen.


Und ich geniesse es so, dass meine Träume wahr geworden sind. Diese Phrase mag ich gar nicht. Aber wenn man sie wörtlich nimmt und nicht als abgedroschene Redensart, trifft sie genau das, was ich meine.

Und der Prozess des Inspiriert-werdens, des Sich-Vorstellens und Planens und dann das Kleidungsstück zu verwirklichen, das macht einfach zufrieden und dankbar.

So, dass musste mal raus. Jetzt geh ich weiter bügeln!











Freitag, 19. Februar 2016

Birch Leaves


Winde fressen im Birkenlaub
Rostbraun dorren die Farren,
In dem dürren, kalten Holz
Zischelt ein Knistern und Knarren.

Finde es so sonderbar, 
Mag es gar nicht glauben,
Hier war auch mal Frühling,
Gurrten auch einmal junge Maientauben.
                         
                                  Max Dauthendey (1867-1918) 





Als ich vor nun schon fast zwei Jahren die Welt der Nähblogs entdeckt habe, war ich erst mal erstaunt, dass ausserhalb des Burda-Verlags ein ganzes Paralleluniversum existiert.
Bis dahin hab ich nur aus VERENA-Strickheften oder selbsterrechnete Anleitungen gestrickt und war einigermassen verblüfft, dass man bei Garnstudio via Lanade viele Tausende Gratis-Muster finden kann.

Ich hab ja damals den Allures-Couture-Blog komplett durchgelesen und als ich bei diesem Eintrag angelangt war, hab ich mir das Muster der Strickmantels eingemerkt und ausgedruckt.

Danach habe ich ein paar Monate lang nicht  mehr auf Nähblogs geschaut, dafür umso mehr gestrickt und genäht. Hab ich ja schon mal erzählt.

Ich hab den Birch Leaves-Mantel in jeansblauer Drop Nepal-Wolle in XXXL gestrickt. Dann war er fertig und ich habe gemerkt, dass er viel zu gross war. Soviel zu gross, dass ich es nicht als lässig-oversized tragen konnte, sondern eher so momohaft.

Kennt ihr noch das kleine Mädchen mit der viel zu grossen Jacke an?

Also alles auftrennen, und weil ich ja in der Zwischenzeit schon ein bisschen Fett gelassen hatte in  Grösse L neu angeschlagen.

Und seit November trage ich nun voller Freude das wundervolle blaue Birkenlaub.




Auf dem mittleren Foto sieht man ausserdem um meinen Hals einen kleinen Reste-Verwertungs-Loop aus der Wolle der schwarzen Miette.


Weil er schwarz ist, kann man leider das wunderschöne Blättermuster nicht erkennen. Ich hab es aus einem alten Musterbuch.

Mantelrückseite

Wieso beschrifte ich das jetzt? Hätte sich das nicht von selbst erklärt?
Na, sicher ist sicher.


Donnerstag, 18. Februar 2016

Ich muss mich ein wenig aufregen

Ich habe seit dem Fettlogik-Post weitere 1,5 kg verloren und freue mich darüber.
Es ist wie ein schöner Traum, dass ich Beherrscherin meiner Gelüste geworden bin, dass ich berechenbar bin und kein Opfer ominöser Mythen.
Es ist eine echte Befreiung, zu wissen, mein Stoffwechsel funktioniert nach Naturgesetzen und nicht nach geheimen Zusammenhängen, denen ich hilf- und ahnungslos ausgeliefert bin.
Ich habe heute das Outing von Stella und die Buchempfehlung von Catherine gelesen und deshalb ist mir das alles gerade so präsent.

Mit diesen Gefühlen und Gedanken hab ich heute unsere Postfiliale betreten.
Die Post macht ja nun nicht mehr nur das, wofür die Post da sein sollte, sondern die verkaufen auch Süssigkeiten, Handys und Bücher.

Ha!


Da ärgere ich mich. So viel verschiedene Infos zum Thema Ernährung und Gewicht, die in die Irre führen, wie die Titel und Klappentexte vermuten lassen.

Seit der Fettlogik-Lektüre bin ich da sehr empfindlich, denn dieses Nicht-genau-Wissen, wieviel zu viel ist und das Resignieren, weil man ja eh nix tun kann ist wie eine Fessel.
Ich mag diese Opferposition nicht und mich nervt es, dass es ganz offensichtlich viele Leute gibt, die darin verhaftet sind, sonst würde der Markt für solche Gehirnwäschebücher nicht da sein.

Und dann komm ich vom Hölzchen aufs Stöckchen und reg mich gleich noch über den Esoterik-Quatsch auf, der auch so oft in Bücherregalen steht.

Es ist für mich nachvollziehbar und in sich logisch, wenn jemand nicht an Gott gläubig ist, weil er sich nicht unterwerfen mag, weil er keine Autorität über sich haben will.

Aber es ist für mich nicht logisch, dass dann so viele Leute so abergläubisch werden und nicht für 5 Cent nachdenken und hinterfragen.

Und diese Strömungen sind gewaltig, wenn ich die Augen aufhalte, sehe ich derart viele Scharlatanereien, dass ich mich den ganzen Tag aufregen könnte.
Und ich tu das auch oft.

Aber jetzt hör ich auf damit und verrate nur noch schnell, wieso ich eigentlich in der Post war.

Ich habe ein Päckchen abgeholt, was nicht zugestellt worden war.
Und darin befanden sich - Tadaa:

Acht Knäuel Erd- und Sandfarbene Baumwolle für mein nächstes Strickprojekt.

So, den Schwenk zum Unverfänglichen noch schnell gekriegt...





                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                              

Mittwoch, 17. Februar 2016

Das blaue Kleid

...Die blauen, matten und dunklen Kleider,
Der Nacht, des Tags und des halben Lichts...

                                    (Er wünscht sich die Kleider des Himmels, William Butler Yeats)



Da mir sehr spontan heute Abend ein Termin weggefallen ist, habe ich die unverplante Zeit genutzt, das blaue Kleid vom blauen Post vorgestern fertigzunähen.

Aussen
Innen



Warum explizit dieses Kleid "Blaues Kleid" heisst, obwohl ich noch einige andere blaue Kleider habe?
Das kommt daher, dass letzten Herbst Bernina Schweiz einen Wettbewerb ausgeschrieben hatte, wo ein "Kleines Blaues für den Herbst" zu nähen war. Ich hatte keine Zeit, bis zum Einsendeschluss ein blaues Kleid zu liefern, aber im Kopf war es bereits fertig.
Schmal, kurzärmelig, aus dem gefärbten Maybachuferstoff und am Oberteil ein anderer Einsatz, z. B. Spitze, ein anderer Blauton, was auch immer.

Kurz drauf spazierte ich mit dem Majestix an einem Schaufenster vorbei wo ein T-Shirt-Kleid aus Baumwolle mit Chiffonsaum hing, in marineblau.
Er fragte mich, ob ich mir sowas nicht mal selbst machen könne, er glaube, das würde mir gut stehen.

Im Herbst hab ich nicht mehr angefangen, aber jetzt im gewünschten Frühling.
Und als ich vorhin den Seidenchiffon an den Saum genäht habe, kam die Tochter rein und hörte auf dem Handy "I'm Blue", eine Coverversion von einem 90er Jahre-Hit von Eiffel 65.

Und jetzt mal ehrlich, kann das Kleid da anders heissen? Und irgendwie müssen sie ja heissen, die Werkstücke. Also bei mir ist das meistens so.

Jedenfalls: erst mal war da ja schon seit ein paar Tagen ein Reissverschluss drin, der sich gewellt hat und somit zum Grund wurde, das Kleid liegen zu lassen und lieber zu stricken.
vorher
nachher


Den hab ich also nochmal rausgenommen und leider kann ich keinen grossen Unterschied feststellen.
Ich bin handwerklich auch nicht fortgeschritten genug, dass ich mit solchen Fehlern richtig umgehen kann. Das üb' ich dann noch mal wann anders.

Beim Futter habe ich normalen Buttinettefutterstoff, den Oberstoff und für den Bruststreifen eine Schlafanzughose verarbeitet.

Als mein Opa 2010 gestorben ist, hat meine Mama mir seinen Schlafanzug geschenkt. Der Gummi ist  darauf ziemlich bald gerissen und ich habe ihn 5 Jahre lang nicht ersetzt. Kennt man ja, die Flickkiste ist nicht ganz so interessant.
Und für das Kleid hab ich jetzt die Hose ganz zerlegt, ich mag das nämlich sehr gerne, geheime oder bedeutungsvolle Reste mit einarbeiten.



Dann kamen die Steinchen. Ich hab überlegt ob ich sie
waagerecht um den Ausschnitt,

senkrecht um den Ausschnitt,

ungeordnet oder

wie eine Knopfleiste

anbringen soll.
Ich hab die erste Variante gemacht
und festgestellt: Zu viel Bling und Schick.
 Das muss wieder ab.

Ich habe die Steine weggetrennt und aufgeräumt und dann Tragefotos gemacht.


irgendwie nicht gut.



Es sieht nicht aus wie auf der technischen Zeichnung


finde ich. Also, dass es nicht so aussieht wie am Model, konnte ich ja ahnen, aber es sieht gar nicht nach 60er aus.
Mir gefällt es trotzdem, denn meine Inspiration war nicht 60er, sondern schmal und knielang.
Das es einen Tacken zu klein oder eng scheint, hat seinen Grund, ich will ja noch weiter runter mit dem Gewicht und dann nicht gleich in 6 Monaten wieder alles enger nähen.

Und zum Abschluss noch ein kleines blaues Zubehör, das keinen eigenen Post verdient, aber doch selbstgestrickt ist:





Ich habe vor dem Summer Shawl Knit Along ein paar Restschnürchen vernadelt und heute dann die Fäden vernäht.
Die dunkelblauen Reste stammen von einem Jäckchen, das ich erst noch verbloggen muss.

Aber dies ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.